Offener Brief an Google – Freie Wahl des Benutzernamens

Als ich gestern von meinem Kurzurlaub zurück kam, war nach dem Auto auspacken meine erste Mission ab an den PC und schauen, was es neues auf Google+ gibt. (Bin ich deswegen ein Freak?) Nach dem ich auf Google meinen Benutzernamen und mein Passwort eingegeben hatte, wurde mir auf einmal gesagt, dass mein Konto gesperrt wäre und ich es mit meiner Handynummer freischalten könnte. Ich finde es zwar nicht so prickelnd meine Handynummer Google mitzuteilen, aber was soll`s, schließlich möchte man ja wieder auf Google+. Gesagt getan und nach ein paar Sekunden kam auch schon der Freischaltcode. Damit war für ich erst einmal die Sache erledigt. Aber kaum war ich auf Google+ erfolgreich angemeldet, musste ich feststellen, dass der liebe Onkel Google mein Profil gesperrt hat, weil

der angegebene Name gegen unsere Community-Richtlinien verstößt.

Eine Suche in der großen Suchmaschine hat ergeben, dass ich wohl nicht alleine mit diesem Problem bin, sondern noch viele andere davon betroffen sind.

Hallo was soll das? Wo leben wir denn? Muss ich mir von irgendjemanden sagen lassen, welchen Namen ich in einem Forum, in einem Sozialen Netzwerk oder sonst wo im Internet verwende?

Seltsamerweise widerspricht dieses Verhalten dem, was Google In “The Freedom to be who you want” selbst beschreibt, nämlich, dass es das Recht der Nutzer sei, im Netz Pseudonyme zu verwenden.

Pseudonymous. Using a pseudonym has been one of the great benefits of the Internet, because it has enabled people to express themselves freely—they may be in physical danger, looking for help, or have a condition they don’t want people to know about. People in these circumstances may need a consistent identity, but one that is not linked to their offline self. You can use pseudonyms to upload videos in YouTube or post to Blogger.

Wenn Google sich selber nicht an die eigen erstellte “Philosophie” hält, könnte in einem auch die Frage nach dem viel diskutierten Datenschutz bei dem Konzernriesen aufkommen!

Dieses Verhalten entspricht auch nicht der sogenannten Firmenphilosophie  von Google, wo an erster Stelle ganz dick und fett geschrieben steht:

Der Nutzer steht an erster Stelle, alles Weitere folgt von selbst.
Seit der Gründung des Unternehmens konzentrieren wir uns bei Google darauf, dem Nutzer alles so bequem und einfach wie möglich zu machen. Von der Entwicklung eines neuen Internetbrowsers bis zum letzten Schliff des Designs der Startseite ist es unser höchster Anspruch, dass Sie von diesen Verbesserungen profitieren. Interne Ziele oder Gewinne stehen dabei nicht im Vordergrund. Unsere Benutzeroberfläche ist übersichtlich und schlicht und Seiten werden sofort geladen. Platzierungen in den Suchergebnissen können unter keinen Umständen gekauft werden und Anzeigen sind nicht nur klar als solche gekennzeichnet, sondern bieten außerdem relevante Inhalte und lenken nicht von der eigentlichen Suche ab. Neue Anwendungen sollten unserer Ansicht nach so gut funktionieren, dass Sie keinen Gedanken daran verschwenden, was man hätte anders machen können.

Wo bitte schön, steht bei so einem Verhalten der User an erster Stelle?

Also eigentlich hatte ich überlegt, Facebook den Rücken zu kehren und nur noch Google+ zu nutzen. Allerdings werde ich mir, auf Grund dieses Verhaltens seitens Googel, es noch überlegen, ob dieser Schritt wirklich von Vorteil wäre. Natürlich geht es mir hier nicht um Anonymität, um das posten von irgendwelchen Beleidigungen oder Bombenbauanleitungen. Mit geht es lediglich darum, wie oben auch schon angeschnitten, dass ich das Recht habe mich frei im Internet zu bewegen und somit es mir auch aussuchen kann, welche Benutzernamen ich wo verwende. Noch dazu habe ich ganz bewusst diesen Benutzernamen “John Doe” gewählt weil dieser ganz eng in Kontakt mit meinem Blog hier steht. Schließlich verwende ich zu 95% meinem Google+ Account in Verbindung mit meinem Blog oder meinen Bloggerkollegen.

Wie oben schon gesagt, waren oder sind auch andere Google+ Profile betroffen. So wurde zum Beispiel auch das Profil von Engadget oder t3n gesperrt aber mittlerweile wieder freigeschaltet. Wird hier etwa mit zweierlei Maß gemessen?

Es wäre schön, wenn sich hier jemand von Google dazu äußern würde. Aber ehrlich gesagt glaube ich das nicht. Aber wie sehen meine Leser dieses Thema? Sehe ich das zu eng oder stimmt ihr mir zu?

UPDATE 1:
Hab gerade Google angeschrieben und um einen Kommentar gebeten. Bin gespannt ob sich jemand meldet.


UPDATE 2:
Anscheinend hat Google jetzt mein Profil gelöscht und nicht nur gesperrt? Wenn ich es jetzt aufrufe heißt es nicht mehr, dass es überprüft wird, sondern direkt “Profil nicht gefunden”. Super!

UPDATE 3:
Also heute Morgen (19.07.) ist mein Profil wieder online, zwar immer noch auf Status “überprüfen” aber immerhin wieder da. Ich glaube momentan weiß bei Google+ die linke Hand nicht was die rechte macht? Kann das sein? Ach ja, bis jetzt hat sich auch niemand von Google bei mir wegen meiner Anfrage gemeldet.


UPDATE 4:
Es gibt Neuigkeiten. Wie ich gerade festgestellt habe, scheint mein Google+ Profil wieder ohne Einschränkungen zu funktionieren.Was jetzt das ausschlaggebende für die Freischaltung war, kann ich leider nicht sagen. Natürlich bin erst einmal froh, dass mein Profil wieder funktioniert, allerdings würde ich mir auch wünschen, dass sich jemand von Google hier kurz äußern würde. Vor allem frage ich mich jetzt, wie das mit den Realnamen in Profilen ist? Bin ich eine Ausnahme oder kann jetzt jeder User seinen eigenen Profilnamen aussuchen? Fragen über Fragen. Also wie schaut es aus Google? Bekommen wir hier noch eine Info?  ;)

Über JohnDoe

Hallo ich bin Sascha und komme aus dem schönen Bayern. Im Januar 2010 wurde dev0blog.de gegründet. Erst auf einem Freespace und später dann auf einem ordentlichen Webspace. Seitdem schreibe ich hier über alles was mich so interessiert: Linux, Android, OpenSource, Internet, Datenschutz und andere technische Spielereien.