Battlefield 3 und der Datenschutz

Am 27.10.11 wurde Battlefield 3 von Electronic Arts veröffentlicht. Battlefield 3 ist die Fortsetzung der Battlefield Reihe und angeblich ein super Spiel (Ich selber bin kein Zocker ;) ). Allerdings gibt es einen Haken namens Origin.

Was ist Origin und was ist so schlimm daran? Origin ist ein Software-Tool von der Firma EA und soll eine Konkurrenz zu Steam sein. Das an sich ist allerdings nicht das Problem. Um Battlefield 3 installieren und spielen zu können, ist es für den User Voraussetzung Origin zu installieren. Und genau hier ist das Problem, denn Origin bringt eine AGB, die gegen so ziemlich jedes Datenschutzgesetz und dem Schutz der Privatsphäre verstößt.

Auf Grund der Berichterstattung in den Medien und in diversen Blogs, sah sich EA gezwungen zurückzurudern. Allerdings wurde die AGB nicht geändert, sondern der Text der AGB wurde “umformuliert”, was aber die AGB an sich nicht vom Inhalt her betrifft, hat sich nichts geändert.

Gamestar.de hat einen Artikel zu Origin-AGB veröffentlicht, in dem diese von einem Anwalt durchleuchtet wurde. Das Fazit des Anwalts ist hoch interessant:

Fazit

Die Nutzungsbedingungen und der Endbenutzer-Lizenzvertrag von Origin sowie die Datenschutz-Richtlinien von Electronic Arts enthalten umfangreiche Verstöße gegen Verbraucher- und Datenschutzrechte. EA nimmt sich über die Nutzungsbedingungen das Recht heraus, einen umfangreichen Kopierschutz einzuführen, der in seiner Wirkung einer Spyware gleich kommt.

Ferner räumt sich EA das Recht ein, praktisch alle Daten über die Nutzer, über deren Computer sowie deren Verhalten zu erfassen und zu verarbeiten. Nach den ersten Protesten wurde zumindest die Klausel entfernt, nach der diese Daten für Marketingzwecke genutzt und weiter gegeben werden durften. Trotzdem sind aufgrund des hier an den Tag gelegten Datenschutzverständnisses von EA massive Datenschutzverstöße zu erwarten. Auch wenn EA sagen sollte, dass sie nicht soweit gehen werden, wie es in den EULA steht, dann bleibt die Frage: Wozu brauchen sie diese Rechte dann überhaupt?

 

Man nennt so etwas auch »Defective by design«. Wenn etwa ein EA-Mitarbeiter sich fragt, im welchen Umfang er die Nutzerdaten verwenden darf, dann schaut er in die EULA. Und wenn dort die derzeitigen Erlaubnisse stehen, ist anzunehmen, dass er davon ausgeht, dass sie den Rahmen des Erlaubten darstellen. EA versucht zudem den Nutzern an der Durchsetzung ihrer Rechte zu hindern, indem das Unternehmen alle Gewährleistung und Haftung ausschließt, zum Teil sagt, dass Nutzer sich nur durch Kündigung ihres Kontos wehren oder nur auf englisches Recht berufen und in England klagen dürfen.

Mögliche Folgen

Als Folgen der rechtswidrigen Bestimmungen kommen in Frage:

Die Verbraucher haben das Recht erworbenen Spiele, welche zwingend die Akzeptanz der Origin-EULA und/oder der Datenschutz-Richtlinie voraussetzen, gegen Rückzahlung des Kaufpreises zurückzugeben. Die Verbraucher wurden beim Kauf zwar darüber aufgeklärt, dass sie sich bei Origin anmelden müssen, aber ihnen wurden nicht vor dem Kauf die eklatant rechtswidrigen Regeln offenbart, die sie vor der Nutzung des Spiels zwingend akzeptieren müssen. Das heißt, sie haben ein rechtlich mangelhaftes Spiel erhalten (§§ 434, 437 BGB).

Die Verbraucher haben das Recht, Auskunft über die über sie gespeicherten Daten oder deren Löschung zu verlangen (§§ 34, 35 BDSG). Bei Datenschutzverstößen kommt ebenfalls Schadensersatz in Frage — allerdings eher theoretisch, da es schwer ist, den Schaden nachzuweisen.

Über EA könnte ein Bußgeld durch die Datenschutzbehörden bis zu 300.000 Euro verhängt werden. Soweit bekannt, hat EA jedoch keinen Sitz in Deutschland, also ist das unwahrscheinlich.

Ebenso unwahrscheinlich sind daher die Abmahnungen von Mitbewerbern oder Verbraucherschutzzentralen.

Kurz nach dem Gamestar diesen Artikel veröffentlicht hat, ging eine Welle der Empörung durch das Internet. Viele Spieler haben ihr erhaltenes Spiel zurückgesandt oder ihre Bestellung wieder storniert.

Hier ein Video, dass verdeutlicht, wie die Origin-Software die Festplatte durchsucht:

Sechs Tage nach bekannt werden dieser Machenschaften, hat EA reagiert und ein Statement zu diesem Thema abgegeben:

Liebe Kunden und Battlefield-Fans,

In den vergangenen Tagen sind einige Unklarheiten bezüglich der Lizenzvereinbarungen und Datenerhebungen unserer Origin-Plattform aufgetreten. Wir bedauern die Verunsicherung, die dadurch entstanden ist, und möchten Sie heute über den Stand der Dinge informieren. Die wesentlichen Fakten zur Diskussion haben wir hier für Sie zusammengefasst:

  • Wir haben die Endnutzer-Lizenzvereinbarung von Origin aktualisiert, um im Interesse unserer Spieler mehr Klarheit zu schaffen. Die aktualisierten Origin Lizenzvereinbarungen können Sie hier einsehen.
  • Uns ist ganz wichtig zu betonen: Origin ist keine Spyware. Weder nutzen noch installieren wir Spyware auf Ihren PCs. Origin erfasst in begrenztem Umfang Informationen, die notwendig sind, um Ihnen das Kaufen, Herunterladen, Zugreifen und Spielen von Games und Spiele-Inhalten zu ermöglichen. Die Informationen werden zudem benötigt, um Online-Verbindungen mit anderen Spielern herzustellen sowie Inhalte und Software-Updates direkt auszuliefern. Die Daten werden auch dazu genutzt, das Auftreten kleinerer Software-Fehler sofort zu erkennen und auszubessern.
  • Auf Informationen wie etwa Bilder, Dokumente oder persönliche Daten, die nichts mit der Ausführung des Origin-Programms auf Ihrem System zu tun haben, wird weder von uns zugegriffen noch werden sie von uns gesammelt.
  • Alle Informationen, die wir mit Origin erheben und nutzen, stellen sicher, dass Sie so einfach wie möglich auf Ihre Spiele zugreifen und dabei den vollen Service und das beste Spielerlebnis genießen können, das EA zu bieten hat.
  • EA nimmt den Datenschutz seiner Nutzer sehr ernst. Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, um Ihre persönlichen und anonym erhobenen Nutzerdaten zu schützen.
  • Die Lizenzvereinbarungen von Origin entsprechen branchenüblichen Datenschutzerklärungen, wie sie von vielen anderen populären Web Services verwendet werden. Soweit erforderlich werden wir selbstverständlich mit den zuständigen staatlichen Stellen zusammenarbeiten um sicherzustellen, dass unsere Richtlinien gesetzeskonform sind und bleiben.

Mit Origin kann man nicht nur Spiele kaufen, herunterladen und aktualisieren, es integriert vor allem auch soziale Funktionen wie Profile, plattformübergreifende Freundeslisten und Chats. Sämtliche Daten, die das System erhebt, dienen allein dem Zweck, Ihr Online-Spielerlebnis noch weiter zu verbessern.

Wir hoffen, dass einige Ihrer Fragen damit erst einmal beantwortet sind und würden uns freuen, wenn Sie schnell wieder „zurück ins Spiel“ kommen. Im Namen von EA Deutschland wünschen wir Ihnen weiterhin viel Spaß mit Battlefield 3!

Ihr
Olaf Coenen
Geschäftsführer von EA Deutschland

 

Links: http://www.ea.com/de/news/neuigkeiten-zu-den-ea-lizenzvereinbarungen-bei-origin

EULA: http://store.origin.com/store/eade/de_DE/html/pbPage.EULA_DE

Zu dieser Stellungnahme, braucht man wirklich nichts mehr zu sagen oder?

Was kann man aber gegen solche Machenschaften unternehmen?

Eine Möglichkeit ist,  diese Thema unter Freunden, Bekannten, Foren oder Blogs bekannt zu machen um die Leute bezüglich dieses Themas zu sensibilisieren. In dieser Sache geht es nicht nur um irgendein Computerspiel sondern um das Prinzip Datenschutz – unseren Datenschutz!

Ob man Battlefield 3 oder andere Produkte von EA kauft, bis sie AGB`s bereinigt wurden, bleibt jedem selber überlassen. Ich wüste auf jeden Fall, was ich machen würde.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich an den jeweiligen Datenschutzbeauftragten zu wenden: http://www.bfdi.bund.de oder direkt EA Deutschland seine Meinung dazu kundtun:

Anschrift:

Electronic Arts GmbH
Datenschutzrichtlinien-Koordinatoren
Triforum Cologne
Innere Kanalstraße 15
D-50823 Köln
Deutschland
E-Mail privacy-germany@ea.com

Fax 0221-97582-111
Quelle: http://www.ea.com/1/privacy-contacts#8

Wenn man wissen möchte welche Daten EA über einen bereits gesammelt hat, kann man ein Musterschreiben des VDVC benutzen: http://www.theorigin.de/Musterschreiben.pdf

 

 

Über JohnDoe

Hallo ich bin Sascha und komme aus dem schönen Bayern. Im Januar 2010 wurde dev0blog.de gegründet. Erst auf einem Freespace und später dann auf einem ordentlichen Webspace. Seitdem schreibe ich hier über alles was mich so interessiert: Linux, Android, OpenSource, Internet, Datenschutz und andere technische Spielereien.